Der Continental Bulldog (Conti)

Kräftig und bulldogtypisch, dabei beweglich, freundlich und familiennah – was den Continental Bulldog ausmacht und weshalb diese noch junge Rasse so besonders ist.

Familienhund · athletisch · unverkennbar Bulldog

Auf einen Blick

Herkunft

Schweiz

 

Größe

Hündinnen 40–48 cm
Rüden 42–50 cm

Gewicht

ca. 20–30 kg
je nach Größe und Geschlecht

Verwendung

Begleit- und Familienhund

 

Wesen

aufmerksam, selbstsicher, freundlich

FCI

Standard Nr. 369, provisorisch anerkannt seit 2022
FCI-Gruppe 2 

Der Continental Bulldog – was macht ihn aus?

Der Continental Bulldog – kurz Conti – ist eine noch junge Hunderasse aus der Schweiz. Er entstand mit dem Ziel, den typischen Bulldog-Charakter und -Ausdruck mit einem funktionaleren, beweglicheren und weniger extremen Körperbau zu verbinden.

Der aktuelle FCI-Standard beschreibt ihn als mittelgroßen, athletisch gebauten und nahezu quadratischen Bulldog. Trotz seines kräftigen Körperbaus soll er beweglich und ausdauernd sein und auch bei schneller Bewegung geräuschlos atmen können. Seine offizielle Verwendung: Begleit- und Familienhund.

Für uns ist es gerade diese Mischung, die den Conti besonders macht: unverkennbar Bulldog, kräftig und ausdrucksstark – und gleichzeitig ein Hund, der gerne mit seinen Menschen unterwegs ist und ebenso selbstverständlich Teil des Familienalltags sein kann.

Geschichte – warum gibt es den Conti überhaupt?

Der Continental Bulldog entstand nicht einfach, weil jemand eine neue Bulldog-Rasse haben wollte. Imelda Angehrn züchtete bereits lange English Bulldogs und setzte sich schon früh kritisch mit gesundheitlichen Übertreibungen auseinander. Die Schweizerische Kynologische Gesellschaft beschreibt, dass sie zunehmend eine Übertypisierung beobachtete und daraus auch ihr 1993 beim Kynos Verlag erschienenes Buch über den English Bulldog entstand. Später wurde unter Beteiligung der SKG mit English Bulldogs und Olde English Bulldogs ein Zuchtprojekt begonnen. 2004 erkannte die SKG den Continental Bulldog als neue Rasse an; seit 30. März 2022 ist er von der FCI provisorisch anerkannt.

Vom English Bulldog zum Continental Bulldog

1993

Imelda Angehrns „Rasseportrait English Bulldog“ erscheint.

2001

Beginn der Kreuzungsversuche unter Beteiligung der SKG.

2004

Anerkennung des Continental Bulldogs als neue Rasse durch die SKG.

2015

Nationale Anerkennung in Deutschland durch den VDH.

2022

Provisorische internationale Anerkennung durch die FCI.

2026

Aktuell gültiger FCI-Standard Nr. 369, gültiger Standard vom 11.02.2026.

Die Idee hinter dem Conti

Imeldas ursprünglicher Gedanke

Über ihr damaliges Buch wird in der dokumentierten Rassegeschichte berichtet, dass sie bereits vor der Entstehung des Contis zu schwere, massige Bulldogs, übergroße Köpfe, niedrigen Stand und problematische Extremmerkmale kritisierte und für einen gesünderen, beweglicheren Bulldog-Typ eintrat.

Der Conti ist damit nicht einfach eine „andere Bulldogge“. Seine Entstehung ist eng mit der Frage verbunden, wie der typische Bulldog erhalten werden kann, ohne körperliche Extreme zum Zuchtziel zu machen.

 

 

Aus der Fachliteratur

Imelda Angehrn
Rasseportrait English Bulldog, 1993

Christoph Jung
Bulldogs in Geschichte und Gegenwart, 2011

Heiko Schmidt
Mein Weg mit dem Continental Bulldog – Die Entstehung einer Zucht und einer Rasse

Aussehen – Bulldog, aber nicht extrem

So soll ein Conti aussehen

mittelgroß · kräftig · athletisch · nahezu quadratisch · kurzhaarig · beweglich · unverkennbar Bulldog

Der Continental Bulldog soll auf den ersten Blick als Bulldog erkennbar sein, ohne dass einzelne Merkmale übertrieben wirken. Er ist kräftig und kompakt, gleichzeitig aber athletisch und beweglich. Der Körper soll einen guten Bodenabstand haben, der Kopf bulldogtypisch sein, ohne übermäßig groß oder stark faltig zu wirken.

Gerade dieses Zusammenspiel ist wichtig: Der Standard verlangt keinen möglichst massigen oder extremen Hund, sondern einen Bulldog, dessen Körperbau seine Beweglichkeit und Funktion erhält.

Der Standard gibt aktuell folgende Größen vor:

 HündinnenRüden
Widerristhöhe40–48 cm42–50 cm
Richtwert Gewichtca. 25 kgca. 30 kg

Der Standard nennt insgesamt etwa 20–30 kg abhängig von der Größe.

Bulldogtyp ja – Übertreibung nein.

Besonders wichtig: die Nase

Der Fang soll nicht extrem kurz sein. Das Verhältnis von Nasenrücken zu Kopflänge liegt idealerweise bei etwa 1:3; bis 1:4 besteht Toleranz. Ein noch kürzerer Nasenrücken als ein Viertel der Kopflänge ist nach dem aktuellen Standard sogar ein disqualifizierender Fehler. Große, gut geöffnete Nasenlöcher sind ausdrücklich gefordert.

Ein Rassestandard ist mehr als eine Liste von Maßen und erlaubten Merkmalen. Interessant ist auch die Frage, warum bestimmte Proportionen, Merkmale und Grenzen festgelegt wurden und wie sie sich auf Typ und Funktion des Hundes auswirken.

Mit genau dieser Betrachtung beschäftigt sich Heiko Schmidt in „Mein Weg mit dem Continental Bulldog: Der Standard – Verstehen, Deuten, Anwenden“. Für uns ist diese Einordnung eine interessante Ergänzung zum offiziellen FCI-Standard – maßgeblich bleibt selbstverständlich immer dessen aktuell gültige Fassung.

Heiko Schmidt: Mein Weg mit dem Continental Bulldog: Der Standard – Verstehen, Deuten, Anwenden, 2026.

Auch Falten sind nicht „je mehr, desto besser“

Der Standard verlangt nur wenig ausgeprägte Stirnfalten. Große Nasenfalten oder über die Stirnhöcker lappende Falten gelten als schwere Fehler.

Beim Continental Bulldog sollen typische Bulldog-Merkmale erkennbar bleiben – aber nicht durch Übertreibung.

Amy liegt vor weißem Hintergrund (Studioaufnahme)

Was ist erlaubt – und was nicht?

Der Rassestandard legt nicht nur fest, wie der Idealtyp aussehen soll. Er beschreibt auch Merkmale, die toleriert werden, als Fehler gelten oder bei einer Ausstellung beziehungsweise Zuchtbeurteilung zum Ausschluss führen können. Im Folgenden zeigen wir einige besonders interessante Beispiele – nicht den vollständigen Standard.

Ist der Continental Bulldog in Bayern ein Listenhund?

Nein. Der Continental Bulldog ist in Bayern nicht als Kampfhunderasse in der Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit aufgeführt.

Die bayerische Verordnung unterscheidet Rassen, bei denen die Kampfhundeeigenschaft stets vermutet wird, und weitere Rassen, bei denen diese Vermutung im Einzelfall widerlegt werden kann. Der Continental Bulldog gehört zu keiner dieser beiden Gruppen.

Die Regelungen unterscheiden sich jedoch zwischen den Bundesländern. Einige Länder arbeiten mit Rasselisten, andere beurteilen die Gefährlichkeit stärker anhand des individuellen Hundes. Wer außerhalb Bayerns lebt oder mit seinem Hund in ein anderes Bundesland zieht, sollte deshalb die dort geltenden Vorschriften prüfen.

Eine offizielle Anlaufstelle dafür ist das Verwaltungsportal des Bundes. Dort kann der jeweilige Wohnort bzw. das Bundesland ausgewählt werden; anschließend werden die regional geltenden Informationen zu gefährlichen Hunden und Hunden bestimmter Rassen angezeigt.

Regelungen für gefährliche Hunde im jeweiligen Bundesland prüfen

Stand: September 2026.

Ist der Continental Bulldog ein Boxer?

Nein. Continental Bulldog und Deutscher Boxer sind zwei eigenständige Hunderassen. Gemeinsamkeiten gibt es trotzdem: Beide gehören in der FCI zur Gruppe 2, zu den molossoiden, doggenartigen Hunden, beide sind kurzhaarig, kräftig gebaut und haben einen deutlich erkennbaren Molossertyp.

Der Continental Bulldog ist jedoch kleiner und kompakter und wurde ausdrücklich als Begleit- und Familienhund entwickelt. Der Boxer ist größer und sein Standard beschreibt ihn neben seiner Rolle als Familien- und Begleithund auch als Schutz- und Diensthund; für ihn ist in der FCI-Systematik eine Arbeitsprüfung vorgesehen.

Boxer oder Conti? Auf unserer Seite „Vom Boxer zum Conti“ vergleichen wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausführlicher – auch aus unserer persönlichen Erfahrung.

Farben beim Continental Bulldog

Erlaubte Farben


Nach dem aktuellen FCI-Standard Nr. 369 von 2026 sind beim Continental Bulldog folgende Farben erlaubt:

  • Falb in allen Schattierungen von sandfarben bis rot
  • Gestromt
  • Schwarz
  • diese Farben mit oder ohne weiße Abzeichen sowie mit dunkler Maske
  • Weiß mit oder ohne Abzeichen in den erlaubten Farben

Ein bestimmtes Fleckenmuster ist nicht vorgeschrieben. Alle anderen Farben und Farbkombinationen sind nach dem FCI-Standard nicht gestattet.

Erlaubte Farben beim Continental Bulldog – Falb, Gestromt und Schwarz

Ist Blue/Blau beim Continental Bulldog erlaubt?

 

Nein. Blue beziehungsweise Blau gehört beim Continental Bulldog nicht zu den vom FCI-Standard zugelassenen Farben.

Die Bezeichnung „Blue“ beschreibt eine genetisch bedingte Farbverdünnung (Dilution). Dabei verändern Varianten unter anderem des MLPH-Gens die Pigmentverteilung im Haar, sodass schwarzes Pigment grau bis bläulich erscheint.

Eine dilute Fellfarbe bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund krank ist. Das Risiko gesundheitlicher Probleme scheint stark von Rasse und Zuchtlinie abzuhängen. Bei manchen Rassen kommt die Farbverdünnung über viele Generationen ohne auffällige Häufung entsprechender Hautprobleme vor; bei anderen ist sie deutlich häufiger mit der Farbmutantenalopezie (Color Dilution Alopecia, CDA) verbunden.

Bei einer CDA kann es unter anderem zu Haarbruch, fortschreitendem Haarverlust, trockener oder schuppiger Haut und wiederkehrenden Hautentzündungen kommen. Ein Gentest kann zwar Dilution nachweisen, derzeit aber nicht vorhersagen, ob ein einzelner dilute Hund später an CDA erkranken wird.

Gerade bei sogenannten „Sonderfarben“ ist es deshalb sinnvoll, sich nicht allein von einer außergewöhnlichen Optik leiten zu lassen, sondern nach Rassestandard, gesundheitlicher Bedeutung, genetischem Hintergrund und verantwortungsvoller Zuchtplanung zu fragen.

Blue ist beim Conti nicht standardgemäß. Unabhängig davon ist Dilution gesundheitlich nicht völlig neutral zu betrachten, weil sie bei bestimmten Rassen/Linien mit CDA verbunden sein kann.

Ist Merle beim Continental Bulldog erlaubt?



 

Auch Merle gehört beim Continental Bulldog nach dem aktuellen FCI-Standard nicht zu den zugelassenen Farben. Darüber hinaus ist bei Merle der genetische Hintergrund besonders wichtig.

Die Merle-Zeichnung entsteht durch eine genetisch bedingte Veränderung der Pigmentierung. Ein Merle-Hund ist deshalb nicht automatisch krank. Problematisch können jedoch bestimmte genetische Kombinationen werden – insbesondere wenn Nachkommen Merle-Varianten von beiden Elterntieren erhalten. Dann kann das Risiko für Hör- und Sehbeeinträchtigungen, Taubheit sowie Fehlbildungen der Augen deutlich erhöht sein.

Hinzu kommt, dass eine Merle-Anlage äußerlich nicht immer eindeutig erkennbar sein muss. Es gibt sehr schwach ausgeprägte oder durch andere Fellfarben verdeckte Merle-Varianten. Wenn Merle in einer Zuchtlinie vorkommt oder vermutet wird, reicht die Beurteilung nach dem Aussehen deshalb nicht immer aus; eine genetische Untersuchung der Elterntiere kann für eine verantwortungsvolle Zuchtplanung wichtig sein.

Gerade bei auffälligen oder seltenen Farben sollte deshalb nicht allein die besondere Optik im Vordergrund stehen. Wer sich für einen entsprechend gefärbten Hund interessiert, sollte sich über die zugrunde liegende Genetik, mögliche gesundheitliche Risiken und die Zuchtplanung der Elterntiere gut informieren.

Und ist Tricolor / Dreifarbig beim Continental Bulldog erlaubt?

Eine klassische Tricolor-Zeichnung, beispielsweise Schwarz mit lohfarbenen („Tan“) Abzeichen und Weiß, gehört nach dem aktuellen FCI-Standard 2026 nicht zu den aufgeführten erlaubten Farbkombinationen.

Dabei sollte man „dreifarbig“ nicht mit jeder optisch aus drei Farbtönen bestehenden Zeichnung gleichsetzen: Erlaubt sind beispielsweise Falb mit dunkler Maske und weißen Abzeichen. Entscheidend sind die im Standard ausdrücklich zugelassenen Grundfarben und Zeichnungen.

Ohren

Erlaubt sind Rosen- und Klappohren. Beim Rosenohr ist das Ohr nach hinten gefaltet, sodass ein Teil der Ohrmuschel sichtbar wird. Das Klappohr kippt bei Aufmerksamkeit nach vorne und liegt in Ruhe seitlich am Kopf an. Andere Ohrenformen entsprechen nicht dem Ideal; Stehohren gelten als schwerer Fehler.

Rute

Die Rute gehört ausdrücklich zum funktionalen Erscheinungsbild des Continental Bulldogs. Sie soll tief angesetzt, am Ansatz kräftig und sich zur Spitze hin verjüngend sein. Ideal reicht sie bis zum Sprunggelenk und wird gerade oder leicht gebogen getragen.

Eine kurze oder leicht deformierte Rute gilt bereits als Fehler; eine stark deformierte oder fehlende Rute führt zur Disqualifikation.

Augen

Gewünscht sind dunkelbraune, nach vorne gerichtete Augen mit gut anliegenden und möglichst vollständig pigmentierten Lidern. Blaue Augen oder Birkaugen – also teilweise blau bzw. hell pigmentierte Augen – führen laut Standard zur Disqualifikation.

Die Augenfarbe allein bedeutet nicht automatisch eine Sehbeeinträchtigung. Bestimmte Pigmentierungsvarianten können jedoch auch mit genetischen Besonderheiten zusammenhängen. Darauf gehen wir ausführlicher im Bereich Gesundheit und Genetik ein.

Gebiss

Typisch für den Conti ist ein Vorbiss. Ideal sind 1–5 mm, bis 10 mm werden toleriert. Die Zahnreihen sollen gerade und parallel verlaufen, die Zähne kräftig sein und bei geschlossenem Fang dürfen weder Zähne noch Zunge sichtbar sein.

Ein vollzahniges Gebiss wird angestrebt; PM1 dürfen fehlen, M3 werden nicht berücksichtigt. Ein sehr starker Vorbiss oder ein schräger Kiefer entsprechen nicht dem Standard.

 

 


Für vieles zu haben – ohne Hochleistungssportler zu sein

Ein Hund, mit dem man vieles machen kann, aber nicht ständig etwas machen muss.

Charakter und Wesen

Freundlich, selbstsicher und aufmerksam – aber durchaus individuell.
Was ist typisch und wie unterschiedlich können Contis sein?

Gesundheit der Rasse

Funktionale Zucht war von Beginn an ein wichtiges Ziel. Trotzdem gibt es gesundheitliche Bereiche, die man kennen sollte.

Passt ein Conti zu mir?

Familienhund, Bulldog-Kopf und individuelle Persönlichkeit: Eine ehrliche Entscheidungshilfe für alle, die sich für die Rasse interessieren.

Fachliteratur & weiterführende Quellen

Bei der Beschäftigung mit dem Continental Bulldog greifen wir neben dem aktuellen FCI-Rassestandard auch auf Fachliteratur und historische Quellen zurück. Besonders interessant sind für uns Bücher, die die Entstehung und Entwicklung des Bulldog-Typs und des Continental Bulldogs aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

  • Imelda Angehrn: Rasseportrait English Bulldog, Kynos Verlag, 1993 – frühe kritische Auseinandersetzung mit Übertypisierung und dem Wunsch nach einem funktionaleren Bulldog.
  • Christoph Jung: Bulldogs in Geschichte und Gegenwart, Kynos Verlag, 2011 – ausführliche historische Betrachtung des Bulldogs und Plädoyer für gesunde, fitte Bulldogs ohne Übertreibungen.
  • Heiko Schmidt: Mein Weg mit dem Continental Bulldog: Die Entstehung einer Zucht und einer Rasse – persönliche Perspektive auf die frühe Entwicklung des Contis.
  • Heiko Schmidt: Mein Weg mit dem Continental Bulldog: Der Standard – Verstehen, Deuten, Anwenden, 2026 – Einordnung und Interpretation des Rassestandards.
  • Ines Olbricht: Continental Bulldog, 2025 – modernes, umfassendes Gesamtwerk speziell zum Conti

Vom Boxer zum Conti

Wie wir auf den Continental Bulldog gekommen sind.